"Was wir einander schuldig sind"

Ein bewegender Familienroman über Verlust, Vertrauen und zweite Chancen
Cover von Chrissy Bouzrou
Das E-Book gibt es bei Amazon für 3,90 €  oder umsonst bei KindleUnlimited.
Das Taschenbuch kostet 12,90 €, erhältlich bei BoD oder überall, wo es Bücher gibt. Oder bei mir mit passendem Lesezeichen und persönlicher Widmung. 

Inhalt

Ein Anruf. Eine Forderung. Und ein Leben, das aus den Fugen gerät.
Als Jarik,  ein lebensfroher Endfünfziger, nach Jahren von seiner Tochter Jessica hört, trifft ihn ihre Nachricht wie ein Schlag: Sie ist todkrank. Und ihre zwölfjährige Tochter Talea, seine einzige Enkelin, soll zu ihm ziehen; zu einem Großvater, den sie noch nie gesehen hat. 

Für Jarik und seine zweite Frau Elvira beginnt eine Zeit voller Spannungen, Überforderung und unausgesprochenen Ängsten. Talea begegnet ihnen mit Schweigen, Wut und Misstrauen. Das Paar merkt, dass guter Wille und Liebe manchmal nicht ausreichen, um einem verletzten Kind Halt zu geben. 

Aus ihrer nordischen Heimat Friesland hat Talea kaum etwas mitgebracht. Und doch ist da etwas, das sie begleitet: ein scheuer Grünspecht, der immer wieder in ihrer Nähe auftaucht, als würde er über sie wachen.  

Werden die drei einen Weg zueinander finden? 

Eine einfühlsame Geschichte über zweite Chancen, alte Wunden und die Frage, was Familie wirklich bedeutet. 

Leseprobe

»Ich werde bald sterben. Du musst meine Tochter zu dir nehmen!« 

Elvira erstarrte. Im letzten Moment griff sie das Mobiltelefon, das ihr aus der Hand geglitten war, und verhinderte, dass das Handy auf die Terrasse fiel. Eine Gänsehaut lief über ihre Arme. 

Wer war das? Die Stimme war ihr unbekannt. Heiser klang sie. Eine Frau, mittleren Alters. Oder jünger? Hatte die Anruferin sich verwählt? Elvira hatte sich mit »Hallo« gemeldet, wie immer, ohne ihren Namen zu nennen. 

Sie straffte die Schultern und räusperte sich. »Was sagen Sie?«, fragte sie mit krächzender Stimme. »Wer sind Sie? Und wen wollen Sie sprechen?« 

Schweigen am anderen Ende. 

Der Grünspecht - Freya

 

Talea hat den Grünspecht Freya getauft, nach einer nordischen Göttin.
Für Talea ist er sehr wichtig. Stellt er die Verbindung zu ihrer Mutter her?

Rezensionen

Mit „Was wir einander schuldig sind“ hat Wilma Borghoff einen einfühlsamen Familienroman vorgelegt, der mich mitten ins Herz getroffen hat.

Die Autorin erzählt von Verlust, Verantwortung und der manchmal leisen, aber unglaublich wichtigen Kraft von Zuwendung.

Schon der erste Satz hat mich sofort in die Geschichte hineingezogen: Ein Anruf, eine erschütternde Nachricht – und das Leben einer Familie steht plötzlich Kopf.

Besonders packend ist die enorme emotionale Dynamik, die Borghoff aufbaut. Die sterbenskranke Jessica konfrontiert ihren Vater Jarik und dessen Frau Elvira mit einer Entscheidung, die keine Zeit mehr lässt und ein gewaltiges Ausmaß an Veränderungen mit sich bringt.

Sehr berührt hat mich, wie die schwierige Begegnung zwischen Jarik, Elvira und der kleinen Talea erzählt wird. Die Unsicherheit, das Schweigen, die Abwehr und die Überforderung auf beiden Seiten waren beim Lesen förmlich spürbar.

Und doch zeigt der Roman, dass Familie mehr ist als nur ein Wort oder ein gemeinsames Zuhause. Familie bedeutet vor allem Haltung, Geduld, Verständnis, Liebe und den Willen, füreinander da zu sein.

Diese Annäherungsprozesse spiegeln sich sogar geografisch wider: Der reizvolle Kontrast zwischen der rauen nordischen Weite Frieslands und dem rheinischen Alltag von Jarik und Elvira im Raum Köln hat mir besonders gefallen.

Die Figuren tragen den Roman mit all ihren Ecken und Kanten. Elvira ist klug, praktisch und zugleich herzlich. Jarik kämpft mit seinen zwischenmenschlichen Unzulänglichkeiten, und Talea, das sturköpfige Mädchen, habe ich trotz – oder gerade wegen – ihrer Widerborstigkeit sofort ins Herz geschlossen. Auch die bereits bestehende Großfamilie von Jarik und Elvira fügt sich stimmig in die Geschichte ein.

Ein fast poetisches Element ist der immer wiederkehrende Grünspecht. Er verleiht der Handlung etwas Sanftes und Symbolisches und bleibt lange im Gedächtnis. Zusammen mit den feinen Alltagsbeobachtungen macht er den Roman zu einer ruhigen, aber tief bewegenden Lektüre.

Für mich ist dies ein intensiver Roman, der lange nachwirkt. Als ich das Buch zuklappte, dachte ich tatsächlich: Davon dürfte es gerne noch einen zweiten Teil geben.

Eine Geschichte über Schmerz, Abschied und Neubeginn – erzählt mit viel Gefühl und Menschlichkeit. Und sie zeigt, wie viel wir einander wirklich schuldig sind: Mitgefühl, Aufmerksamkeit, Offenheit und Liebe. Eine absolute Leseempfehlung für alle, die berührende Familiengeschichten mit viel Herz, Tiefgang und authentischen Figuren mögen.
********************************************
 Ein beeindruckender Roman, mit einem sehr passenden Titel. 
 Von der Autorin wunderbar ge- und beschrieben, voller Emotionen, Traurigkeit, Hoffnung und Einfühlvermögen. 
 Der Fanilienroman bewegt und erschüttert einen sogleich. Man ist betroffen und erleichtert, über jeden noch so kleinen Fortschritt. 
 Verlust ist schwer, Vertrauen manchmal noch schwerer, aber jeder hat, eine zweite Chance verdient.
 Gut wenn es Menschen gibt, die trotz aller Widrigkeiten alles darum geben, andere glücklich zu machen. 
 Dieses tolle Buch kann ich jedem nur ans Herz legen  ...
************************************
 Der wunderhübsch gestaltete Einband dieses Buches hat mich angesprochen. Und auch der Inhalt dieses Buches bietet eine Menge, das ist schon mal Fakt. Keine Unterhaltungslektüre, sondern eher nicht ganz so leichte Kost, die aber eine Menge Mut macht. Krebs ist ein Teufel, das wissen wir wohl alle. Und er macht auch vor jungen Menschen nicht halt. Tragisch, aber so ist das Leben… Und wenn dann noch so ein Küken zurückbleibt, ist es umso schlimmer. Wer soll sich nun um das Küken mit dem hübschen Namen Talea kümmern? Die nächsten Verwandten, also die Großeltern! Aber können und wollen sie das auch? Immerhin stehen sie wirtschaftlich gut da, das wäre kein Problem. Aber passt Talea in ihre Lebensplanung? Eine Zwölfjährige im Haus, statt ein Urlaub auf Bali. Alles kommt so plötzlich und unerwartet… Immerhin, sowohl Talea, als auch ihre neue Familie geben sich Mühe, wenn auch nicht alles glatt läuft, aber das hätte ich auch nicht erwartet. Manchmal hatte ich dann doch ab und zu ein Tränchen im Auge… Zuwendung ist da ein ganz großes Thema und die neuen Großeltern geben sich auch wirklich alle Mühe. Jeder Mensch trauert anders und auch jedes Kind trauert anders. Da ist auch Unnahbarkeit ein Thema und das hat Frau Borghoff gut rübergebracht. Natürlich gibt es noch kleine dramatische Wendungen, aber mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Da kommt noch etwas! Und wie es so ist, manchmal helfen Tiere mehr, als man glaubt. Vielleicht muss man einfach auch nur an kleine Wunder glauben! Eine ganz süße Idee fand ich, dass man auch Dingen einen Namen geben kann. Ein bisschen schräg, aber schließlich hat wohl jeder Mensch hat wohl eine kleine Macke, oder? 
******************************
Eine außergewöhnliche Situation: ein gut situiertes Ehepaar mit zwei erwachsenen Kindern soll plötzlich eine 14jährige Waise aufnehmen. Beide kennen das Kind nicht, ein Enkelkind aus erster Ehe des Ehemannes, der seit Jahren keinen Kontakt zu seiner Tochter hatte und das Kind überhaupt nicht kennt. Seine Frau ebenso wenig.

Wie gehen beide mit dieser Situation um? Das beschreibt Wilma Borghoff anschaulich und nachvollziehbar. Zunächst die schwierige Entscheidungsfindung, anschließend sehr kurzfristig die Umstellung des gesamten Lebens beider. Nach anfänglichen großen Schwierigkeiten vorsichtige Annäherung, immer wieder unterbrochen von Rückschlägen auf beiden Seiten.

Der Rest der Familie – die beiden erwachsenen Kinder – unterstützt zunächst zögerlich. Mitten drin ein zutiefst traumatisiertes Kind.

Wilma Borghoff schildert die Entwicklung mit teilweise tragischen Elementen, immer wieder aufgelockert durch witzige Bemerkungen und fröhliche Ereignisse.

Ein Buch, das man nicht aus der Hand legen kann.